Personalbedarf mit der Rosenkranzformel berechnen
Morgen habe ich eine wichtige Klausur im Modul Personalmanagement vor mir und ich bin gerade dabei, noch einmal ein paar Aufgaben zur Berechnung des Personalbedarfs mit der Rosenkranz-Formel (auch arbeitswissenschaftliche Methode genannt) durchzurechnen. Da sich im Internet anscheinend kaum etwas zu dieser Formel finden lässt, werde ich das Ganze hier einmal anhand eines Beispiels dokumentieren.
Folgende Aufgabe: ein Unternehmen möchte kommendes Jahr 1000 Geräte herstellen, dessen individuelle Programmierung 6 Tage in Anspruch nimmt. Die Regelarbeitszeit (=wöchentliche Arbeitszeit) beträgt 40 Stunden bei 5 Tagen in der Woche. Berechne den Nettopersonalbedarf bei einem Bestand von 26 Mitarbeitern für diese Aufgabe. Wenn nötig, müssen weitere Annahmen getroffen werden.
Der Personalbedarf wird mit folgenden Formeln berechnet:
Nettopersonalbedarf = Bruttopersonalbedarf - Personalbestand Bruttopersonalbedarf = Einsatzbedarf + Reservebedarf Einsatzbedarf = (Menge x Zeit) / Regelarbeitszeit Reservebedarf = Einsatzbedarf x Verteilzeitfaktor Verteilzeitfaktor = Fehlzeiten / Reale Arbeitstage Reale Arbeitstage = 365 - Fehlzeiten
Für die Berechnung muss auf den Zeitbezug geachtet werden. Für den Einsatzbedarf dieser Aufgabe ergibt sich also folgendes. Die 8 Stunden stellen die tägliche Arbeitszeit dar, also in diesem Fall 40 Stunden / 5 Tage:
Einsatzbedarf = (1000 Stück * 6 Tage * 8 Stunden) / (40 Stunden * 52 Wochen) = 23,08 Mitarbeiter
Der Verteilzeitfaktor ergibt sich aus mehreren Faktoren und bezieht sich im Durchschnitt auf einen Mitarbeiter. Als Beispiel nehme ich folgende Werte:
- 12 Krankheitstage
- 25 Urlaubstage
- 8 Feiertage
- 9 Tage Spontanpausen
- 4 Tage Führungsbesprechungen
- 3 Tage Betriebsrats-Sitzungen und Betriebsversammlungen
Die Fehlzeiten ergeben zusammen also:
Fehlzeiten = 12 + 25 + 8 + 9 + 4 + 3 = 61 Tage
Bei den realen Arbeitstagen müssen zudem noch die Wochenenden (104 Tage bei 5-Tage-Woche und 52 Wochen) abgezogen werden:
Reale Arbeitstage = 365 - 61 - 104 = 200 Tage
Nun kann der Verteilzeitfaktor berechnet werden:
Verteilzeitfaktor = 61 / 200 = 30,5%
Mit dem Verteilzeitfaktor kann nun berechnet werden, wieviel Reservebedarf wir haben:
Reservebedarf = 7,04 Mitarbeiter
Aus der Addition des Einsatz- und Reservebedarfs ergibt sich nun der Bruttopersonalbedarf:
Bruttopersonalbedarf = 23,08 + 7,04 = 31 (aufgerundet)
Kann man bereits auf einen Bestand an Mitarbeitern für die geplante Leistung zurückgreifen, werden diese einfach vom Bruttopersonalbedarf abgezogen und man hat den Nettopersonalbedarf:
Nettopersonalbedarf = 31 - 26 = 5 Mitarbeiter
So muss sich der entsprechende Personaler nun um die Einstellung weiterer 5 Mitarbeiter kümmern (sofern diese sich qualitativ eignen, aber das ist ein anderes Thema)
Veröffentlicht am 06.05.2011

Tobi schrieb am 6. Mai 2011
Kann ich in 1,5 Jahren wohl auch gebrauchen. Vielen Dank schonmal dafür
Patrick schrieb am 6. Mai 2011
Hehe. Gleich noch Brutto-Netto-Rechnung auswendig lernen. Ist morgen ein Drittversuch und an dieser Aufgabe bin ich 2x gescheitert (1x hatte ich die garnicht auf dem Kasten, beim zweiten Mal habe ich den Zeitbezug nicht berücksichtigt).
Alrik schrieb am 6. Mai 2011
ohh ja wie gut, dass ich erst zweites Semester bin, aber das kommt bestimmt dann auch noch!;)
JürgenHugo schrieb am 6. Mai 2011
Mann, wenn du mir die (oder ähnliche) Daten gibst – dann rechne ich dir das so aus – ohne Formel. Solche Formeln sind für eins gut: Schule, Studium, zum Auswendiglernen.
Die Formel, die kannste vergessen – wenn man aber die Zusammenhänge etwas begreift, das vergißt man so schnell nicht.
Außerdem, was soll das denn: “…rund 6 Tage in Anspruch nimmt.” – was sind denn “rund 6 Tage” bitte?
5,8 Tage 6,2 Tage? Wenn solche “harten” Fakten da einfließen, fann kann ich gleich “Pi x Daumen”…
Ich mach jetzt übrigens mal so´ne “Spontanpause”…
Patrick schrieb am 6. Mai 2011
@JürgenHugo: In der Klausuraufgabe stand “6 bis 8 Tage bei eingespieltem Team”. Deshalb habe ich hier einfach 6 vorgegeben. Wenn es nach mir ginge, müsste ich sowas garnicht lernen
JürgenHugo schrieb am 6. Mai 2011
Dacht ichs mir: wenn ich “6 – 8 Tage” als Grundlage habe, dann nützt auch eine “Super-Formel” nix. Da kann ich gleich schätzen…
“…So muss sich der entsprechende Personaler nun um die Einstellung weiterer 5 Mitarbeiter kümmern” – oder 4 Mitarbeiter, oder doch 6? Ach was, wir holen 10 – die “wo wir nich brauchen”, die schicken wir einfach wieder weg!
Das ist fern jeder Realität, aber so sind Schule und Studium nun eben mal…
Ich “sach” dir mal eins: der “Personaler” da wird gar keinen einstellen – der wird die vorhandenen antreiben oder/und unbezahlte Überstunden machen lassen.
Patrick schrieb am 6. Mai 2011
“Ich “sach” dir mal eins: der “Personaler” da wird gar keinen einstellen – der wird die vorhandenen antreiben oder/und unbezahlte Überstunden machen lassen.” Ganz so einfach ist das nicht, da gibt es genügend Gesetze, die das zu verhindern wissen.
Diese Methode hier ist nur eine von vielen. Wir haben auch ausdrücklich im Script stehen “In der Praxis werden verschiedene Methoden miteinander kombiniert.”
Diese Methode hier finde ich von allen aber mit am Sinnvollsten. Du würdest sicherlich eine “Expertenbeurteilung” vertreten (Schätzverfahren)
JürgenHugo schrieb am 7. Mai 2011
Im Ernst: natürlich kann man das so ausrechnen – ich würd das doch ähnlich machen – allerdings wär ich zu faul die Formel zu suchen. Weil ich mir das auch jetzt noch ohne Formel zutraue.
Ich bin jetzt mal der Personaler, ich hab mir das mit dem Taschenrechner durchgetippt und auf einen “mittelkleinen” Zettel geschrieben – Comp braucht man für sowas ja nun nicht, 26 hab ich 31 brauch ich. Da kommt 5 raus. Aber: die vorhandenen werden motiviert, dann bringen die 10% mehr: 26 + 2,6 = 28,6. Differenz zu 31 = 2,4. Wenn ich ein Menschenfreund bin, stell ich 3 ein, sonst 2. Und das IST real – natürlich kommt das bei deiner Formel nicht so raus, aber in der entsprechenden Firma.
Das muß noch nicht mal eine Superausbeuterfirma sein. Ich war mal im Industrial Engeneering – auch mit Zeitstudium. Ich hab auch Vorgabezeiten gemacht – ich habe eine komplette Ausbildung in dem Bereich genossen, sagt dir REFA was? So, wie in meinem Realbeispiel ist schon vor 30 Jahren gerechnet worden – da waren die Zeiten noch nicht so hart wie heute…
Und die Gesetze? Was meinst du wohl – ob die 26 ihren Job behalten wollen? Sicher werden sie das, und deshalb werden sie die 10% mehr schaffen. Das geht natürlich nicht unbegrenzt – aber bei den Vorgaben hier schon.
Noch was: du (man) MUSS bei sowas in der Realität einen “Schätzanteil” mit drinhaben, anders geht das nicht. Du extrapolierst in die Zukunft, da muß man aus vorhandenem Annahmen treffen.
JürgenHugo schrieb am 7. Mai 2011
PS: In der Klausur ist es natürlich besser, so zu tun, als würd man ganz doll an die Formel glauben – das freut den Dozenten…
Pia schrieb am 23. März 2012
Guten Abend,
In der Formel fehlt die Formel zur Berechnung des Einsatzbedarfs. Du schreibst nur 23, wie kommst du auf die 23?
Danke und Gruß
Pia
Pia schrieb am 23. März 2012
Ah sorry, jetzt sehe ich es, muss es scrollen.